Manchen Geschichten kann man kaum ausweichen – wie Joseph Conrads Heart of Darkness, in der die Reise in die afrikanische Wildnis zum Spiegel des Kolonialismus mit seiner wahnhaften Ideen von ‚weißer Zivilisation‘ und ’schwarzer Barbarei, von Heldentum und Pflichterfüllung wird. Manche Bilder prägen, selbst wenn der dazugehörige Kontext längst verblasst ist – wie etwa der Augenblick in Francis Ford Coppolas Apocalypse Now!, in dem die Hubschrauber zu Wagners Ritt der Walküre aus der Sonne kommend angreifen. Was liegt also näher, als aus diesen Versatzstücken erst einen Remix – wie Wolfram Lotz‘ Hörspiel Die lächerliche Finsternis – und dann daraus ein Stück zu machen? Letzteres erlebte gestern seine sehenswerte Premiere in der Essener Casa.
(Heldentum als absurde Pose und Pflichterfüllung, gekonnt verkörpert von Jörg Malchow (links) und Johann David Talinski. Foto: Martin Kaufhold) Weiterlesen
Das dunkle Herz Absurdistans
Geld her oder Krimi!
So gut sieht es aus, wenn Horst Eckert aus seinem aktuellen Roman Schwarzlicht vorträgt.

Paradox
Gestern war nicht nur Nikolaus, ich hatte auch zum vierten Mal das Vergnügen, ein Autorentutorium zu leiten. Nach all den Vorbereitungen ist es jedes Mal spannend mitzuerleben, wie anders sich die Leseproben und Romankonzepte, die Plots und Stories, all die Ideen und Erzählstimmen anfühlen und entwickeln, wenn sie plötzlich live vorgestellt werden und nicht mehr ’nur‘ Text sind. Plötzlich beginnen die Ideen zu leben und ihrerseits für höchst lebendige Diskussionen zu sorgen. Und manchmal, insgeheim, für paradoxe Gedanken … Weiterlesen
Der Geiz im Land der Dichter …
Auf den ersten Blick sah die Mail ganz normal aus, die ich gestern zwischen anderen vorfand:
Liebe Beteiligte und Beiträger,
im Anhang finden Sie die Fahne der Anthologie XXX (Hrsg. YYY).
Ich würde mich freuen, wenn Sie mir möglichst schnell Ihre Korrekturvorschläge senden könnten!Als Anmerkung: Es gibt im Inhaltsverzeichnis noch keine Seitenzahlen, da sich diese bis zum Schluss noch verschieben können – daher hoffe ich, dass Sie alle Ihre Texte trotzdem gut finden können.
Beste Grüße,
Frau ….
Druckfahnen werden heutzutage kaum noch per Post und auf Papier verschickt. Man muss ja auch an den Wald denken und die Postboten und am Rechner lassen sich nötige Korrekturen viel leichter machen. Allein – Seitenzahlen hin, prominente Mitautoren her – von mir war nichts, aber auch rein gar nichts in den angehängten Druckfahnen zu finden. Also antwortete ich Frau … umgehend:
Depression als Abenteuer
Die ganze Bandbreite menschlichen Erlebens, von tiefster Verzweiflung bis zum zarten Glück der ersten Liebe und das auch noch sehr viel weniger kitschig, als es gerade bei mir anklingt – all das und noch viel mehr fand ich in All the Earth, Thrown to the Sky von Joe R. Lansdale. Und dann sagen manche Menschen, Jugendbücher sei runtergerechnete Erwachsenenliteratur … Weiterlesen
Handfeste Poesie
Dass in einer Lok mehr steckt als nur Antriebskraft und ein Lokführer sehr viel mehr kann, als wahlweise Überstunden schieben oder streiken, weiß dank Michael Ende (fast) jedes Kind: Jim Knopf und der Lokomotivführer findet seit Jahrezehnten Wege in Kinderzimmer und -herzen. Regisseurin Anne Spaeter hat die Geschichte von Freundschaft und Abenteuer als phantasievolle Heldenreise auf die Bühne des Essener Grillo-Theaters gebracht und mit dem Ensemble das Publikum verzaubert.
Freundschaft mit vier Beinen und sechs Rädern: Sven Seeburg, Michael Del Coco mit der dicken Emma (Foto: Diana Küster) Weiterlesen
Bald ist wieder Krimitag!
… und bevor mir das in meinem üblichen kreativen und sonstigen Chaos untergeht, kündige ich die Krimitagslesung „Mords.Metropole.Ruhr“, bei der in diesem Jahr Spenden zugunsten des Fördervereins der Helen-Keller-Schule gesammelt werden, einfach gleich jetzt an. Dann haben Sie auch keine Ausrede mehr, nicht am 8.12.14 ins Kunsthaus in der Essener Rübezahlstraße zu kommen. Oder wollen Sie etwa die Lesungen von Ursula Sternberg, Horst Eckert und Ilka Stitz sowie die Welturaufführung meines kriminellen Dramoletts Bioboooomm!!!, bei der mich meine beiden Mitmoderatoren HP Karr und Arnd Federspiel stimmgewaltig unterstützen, verpassen? Weiterlesen
Rasante Ausbrecher
Wahrscheinlich ist eh schon alles über Wolfgang Herrndorfs Tschick gesagt worden, und ich bin die einzige, die kürzlich erst das Stück sah und den Roman noch vor sich hat. Also mach ich es kurz:
Was Tobias Roth, Silvia Weiskopf und Jörg Malchow (Foto: Birgit Hupfeld) in der Essener Casa aufbieten, ist ganz sicher nicht nur was für 14jährige! Weiterlesen
Eigentlich …
… hätte ich so einiges zu be/schreiben: die Aufführung von Wolfgang Herrndorfs Tschick in der Essener Casa und meine anderthalb Tage beim Jahrestreffen der Mörderischen Schwestern in Unna; die Vorbereitungen für den Krimitag sowie der Workshop „Taugt mein Buch zum Drehbuch?“, den ich in Unna hielt, wären die eine oder andere Silbe wert. Weiterlesen
Verquast
Es beginnt sehr spannend – nach Jahrzehnten treffen drei Freunde, zwei Männer und eine Frau, wieder aufeinander. Und dann beerdigen sie den einen, während der andere sich erinnert. Carla Guelfenbein hätte mit Die Frau unseres Lebens eine Geschichte von Freundschaft und Verrat, von heroischen Idealen und deren Zusammenprall mit der Realität erzählen können. Leider hatte sie etwas anderes im Sinn. Weiterlesen