Die Wildente. Ein Versuchsaufbau?

Wenn die Tage kürzer und die Abende länger werden, beginnt mit dem Ende des Sommers das Abenteuer der neuen Theatersaison. Am Schauspiel Essen startete sie gestern mit Henrik IbsensDie Wildente“ in der Inszenierung von Intendantin Selen Kara. Ein Klassiker lockt mit dem Versprechen, uns Altes oder auch Zeitloses neu zu sehen ins Grillotheater.

Ein einfaches, aber großes Holzhaus, dem nach vorn die vierte Wand fehlt, in schummerigen Dunkel. Links an der Wand ein altertümlicher Herd. der von einer Stehampe beleuchtet ist, rechts eiene Kommode mit kleiner Lampe und ein Sofa. In der Mitte steht ein großer Esstisch, an dem sich eine Frau über Papiere beugt. Hinter ihr ist eine hell erleuchtete Öffnung in der Wand, die auf eine Treppe blicken lässt. Ein älterer Mann und ein junges Mädchen kommen von der Treppe ins Zimmer: das Haus der Familie Ekdal
Ein Abend im Hause Ekdal: Sabine Osthoff (Gina Ekdal); hinten: Katharina Bogdanova Petrova (Hedvig), Stefan Diekmann (Der alte Ekdal) – Foto: Nils Heck
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Nahreisen (1)

„Ihr reist nach Münster?“ Stimme und Augenbrauen klettern in die Höhe und der Blick ist erstaunt, als hätten wir verkündet, Ferien auf der Venus machen zu wollen. Doch, mal ehrlich, wenn Urlaub so etwas ist wie ein Ausstieg aus dem Alltag auf Zeit, was spricht dann dagegen, letztere gerade nicht in langen Schlangen am Flughafen, endlosen Staus oder mit all den ungewollten Verzögerungen auf Fernreisen mit der Bahn zu verbringen, und statt dessen gut gelaunt in eine Regionalbahn ein- und noch besser gestimmt eine Stunde später wieder auszusteigen?

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Zurück aus der Sommerpause

Kaum sind die Sommerferien vorbei, starten wir mit unserer offenen Lesebühne erneut durch: Am Dienstag, den 29. September 2026 gibt’s endlich wieder die Poesie der Stadt beim Spoken Word am Wasserturm. Wer mit auf die Bühne möchte, um kurze Prosa, Lyrik, Szenen oder anderes vorzutragen, meldet siche per Mail unter spoken.word.wasserturm@posteo.de an, alle anderen, die „nur“ zuhören möchten, kommen einfach so in der Kurfürstenstr. 8 vorbei. Die Veranstaltung startet um 19 Uhr, Einlass ist ab 18:30 Uhr und der Eintritt ist frei. Wir freuen uns auf euch! 🙂

Im Logo von "Spoken Word" am Wasserturm - Die Poesie der Stadt ist der Titel zusammen mit dem kleineren Hinweis "mit den Essener Autorinnen Mischa Bach & Christina Czeschik rund um die Information "Dienstag, 26.05.26 - 19 Uhr - im "Zuhause" Kurfürstenstraße 8 Essen Südostviertel angeordnet. Schräg darunter steht "Offene Bühne für Gedichte, kurze Texte oder Geschichten, Eindrücke, Skizzen, Ideen ... Du möchtest auftreten? E-Mail an: spoken.word.wasserturm@posteo.de" Daneben etwas schräg gesetzt ein orange unterlegter Kasten mit den Infos "Einlass: 18:30 Uhr - Beginn: 19 Uhr - Ende: ca. 21 Uhr - Eintritt: frei". Rechts oben in der Ecke die weiße Shilouette des Wasserturms umgeben von Wohnhäusern, darüber eine Sonne, darunter steht weißer Schrift "Zuhause am Wasserturm"

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Ausgelesen: lost in the 4rest

Experiments in Kishotenketsu hat Garret Ray Harriman sein 2016 erschienenes Buch „lost in the 4erst“ untertitelt. Als ich Anfang 2025 zum ersten Mal dem Begriff Kishotenketsu begegnete, der eine auf 4 ‚Akten‘ oder Elementen basierende Art des Erzählens bezeichnet, die ohne Konflikt auskommt, war Harrimans Buch das einzige, das sofort zu haben war, also bestellte ich es. Jetzt habe ich es ausgelesen.

Das längliche, dünne Taschenbuch liegt auf einer hellbraunen Bambusmatte. Das Cover des Buches ist in warmen Orange- und Brauntönen gehalten und zeigt eine bergige Landschaft von einem der Gipfel betrachtet. Am linken Bildrand strebt eine große Kiefer in die Höhe, nebeben ihr steht ein dürrer junger Baum. es scheint sich um ein chinesisches oder japanisches Aquarell zu handeln und strömt mit seinen reduzierten Formen und der Andeutung von Morgenlicht eine gewisse Stille der Einsamkeit aus. Zwei Vögel fiegen nach rechts bzw. nach rechts unten aus dem Bild. Laut Credits im Buch ist der Titel des Bildes "Jomoku ni suzu", was so viel heißt wie "Bells hanging from a tree"
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Sehnsuchtsschrei

Manchmal versteckt sich die Inspiration und die Ideen lassen sich nur mit Mühe hervorlocken. Andere springen einen unvermutet an. So wie heute Nacht beziehungsweise heute Früh:

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Packend: „Blaue Nacht“

In den 2000ern war ich in diversen Jurys, in denen es vor allem darum ging, den besten Krimi des Jahres zu finden. Das war spannend, führte jedoch dazu, dass ich mich mehr oder weniger sattgelesen hatte, was das Genre angeht. Um so überraschter war ich, dass ich „Blaue Nacht“ (2016) von Simone Buchholz, das auf einem meiner ungelesenen Bücherstapel lag, jetzt gar nicht mehr aus der Hand legen mochte.

Das dunkel gehaltene Cover von Sime Buchholz Kriminalroman "Blae Nacht" zeigt einen gläsernen Raum bei Nacht, der halb wie ein stylisher Kiosk aus den 1950ern, halb wie ein Überwachungshäuschen am Eingang eines Spergeländes wirkt. Der Raum ist von innen erleuchtet, auch ein Monitor strahl blau, aber es ist niemand zu sehen. Am Haus hinter dem gläsernen Gebäude szeht über den Fenster etwas in einer Neinschrift, doch nur der Anfang - "Harder" ist zu lesen, dann endet das Bild. Übers Dach des Glasgbäudes wölbt sich in blauer Neonschreibschrift der Titel "Baile Nacht". Orangegelb leuchtet darüber in großen Druckbuchstaben der Name der Autorin, die Genrebezeichnung ist in kleinerer, aber ähnlicher Schrift unter den Glasfenstern zu lesen. Das Ganze hat die Anmutung von David Hoppers "Night Hawks", bloß dass diese mal kurz raus sind, um hinterm Haus eine zu rauchen.
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Ausgelesen: „milk and honey“

Ich weiß nicht, ob ich von Rupi Kaur schon etwas gehört hatte, bevor mir eine Freundin ihr Printdebüt „milk and honey“ schenkte. Da ich nicht auf Instagram bin, bleiben fast alle „Instaphänomene“ unterhalb meiner Wahrnehmungsschwelle und das ist auch gut so. Bei diesem Buch hätte ich allerdings möglicherweise etwas verpasst.

Auf dem schwarzen Cover von Rupi Kaurs "Milk und Honey", das auf einem hellen Holztisch liegt, steht oben der Buchtitel und darunter etwas kleiner der Name der Autorin. Zwei ebenfalls in weiß gezeichnete Bienen krabbeln Richtung Schrift - die eine aus der unteren linken Ecke, die andere weitere oben rechts. Ganz unten am Rand steht in dunkelgelber Schrift #1 New York Times Beststeller
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Lektürenotiz: „Englischer Sommer“

Zugegeben, in der aktuellen Hitzewelle des aktuellen Hitzerekordjahres liest sich der Titel „Englischer Sommer“ verführerisch. Dass dieses Taschenbuch aus dem Jahr 1980 stammt und posthum herausgegebene, kürzere Werke Raymond Chandlers in der Übersetzung von Wulf Teichmann und Hans Wollschläger versammelt, legt die Vorstellung kühler, leicht verregneter Sommertage nahe. Leider kann ich nicht einmal bei der titelgebenden Geschichte, in der sich eine englische Dame ganz undamenhaft ihres Gatten entledigt und dabei ungefragt den amerikanisch-naiven, ehrenhaft-coolen Ich-Erzähler benutzt, von erfrischenden literarischen Erkenntnissen sprechen.

Auf schwarzem Grund ist eine Frau in weiß zu sehen, die mit ihrer Pistole auf den Betrachter zielt. Bubikopf, Hut und Make-up deuten an, dass wir uns in den 1920ern oder 30ern befinden müssen. Über ihrem Kopf sind in Gelb der Name des Autors und darunter der Titel zu lesen - ein typisches Diogenes-Cover aus der klassischen Krimireihe.
Auf wen zielt sie – und vor allem; auf wen zielt das Buch – tatsächlich?
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Verschlungen: „Der Stotterer“

Bei manchen Büchern sind die Wege, die sie zu uns zu nehmen, ähnlich verschlungen wie die Geschichten, die sie erzählen. Charles Lewinskys „Der Stotterer“ war 2019 Teil eines Bücherpakets, das der Stammtisch des Syndikats bei seiner jährlichen Benefizlesung am Krimitag im Dezember verloste. Während ich als Mitorganisatorin und Moderatorin bei der Veranstaltung auf der Bühne stand und mein Bestes gab, um kriminelle literarische Aktivitäten in Spenden für einen guten Zweck umzumünzen, gewann meine Nachbarin, die im Publikum saß, eben dieses Bücherpaket. Und am nächsten Morgen lag „Der Stotterer“ mit dem Hinweis, für mich sei dieses Buch sicher interessant, vor meiner Tür.

Die Taschenbuchausgabe von Charles Lewinskys "Der Stotterer" liegt leicht schräg zu den senkrecht ausgerichteten Stäbchen des hellen, hölzernen Untergrunds. Das weiße Cover ziert im oberen Drittel das Gemälde "La Reproduction interdite" (Reproduktion verboten) von René Magritte, auf dem Edward James, der Auftraggeber des Werks, in einem schwarzen Anzug vor einem Spiegel steht, in dem er jedoch wiederum von hinten zu sehen ist, während das Buch (Edgar Allen Poes "The Narrative of Arthur Gordon Prym of Nantucket") auf dem Simms vor dem Spiegel korrekt gespiegelt wird. Unter dem surrealistischen Bild mit der seltsamen Atmosphäre steht auf weißem Grund der Name des Autoren und der Titel des Romans, darunter Roman * Diogenes. Oben seitlich ins Bild ragend ist ein roter runder Aufkleber, der das Buch als ein unverkäufliches Leseexemplar ausweist.
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Nachhall: Carmen im Aalto

Was bleibt zehn Tage nach der letzten Aufführung von Johan Ingers modernem Ballett „Carmen“ nach Motiven von Georges Bizets Oper im Essener Aalto-Theater? Die Besetzungsliste der Nachmittagsvorstellung vom 19.7.26 ist inzwischen leider von der Webseite der TUP verschwunden, der Wunsch, die Ballettversion, die laut der weiterhin abrufbaren Beschreibung der Choreographie den liebeskranken Don José in den Mittelpunkt stellt, ein weiteres Mal sehen zu wollen, ist geblieben. Doch der Reihe nach …

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