Ins Blaue

Ist Karen Duves in den 1820ern angesiedelter Roman ein biografischer oder ein historischer? Und wie wichtig ist es, dass die vom Frauenbild und den Standesdünkeln ihrer Zeit eingeengte Protagonistin die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff ist? Und verbirgt sich in den Antworten auf diese Fragen womöglich auch die Ursache dafür, dass ich erst ewig brauchte, das Buch zuende zu lesen und nun obendrein Wochen, um endlich darüber zu schreiben?

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Erwachsenwerden

„Liebe – Freundschaft – Erwachsenwerden“ ist das Motto der diesjährigen Autorenpatenschaft mit den Kids aus der Christiane-Herzog-Schule. Dass Erwachsenwerden alles andere als einfach sein kann, wurde mir ziemlich alter Häsin kürzlich u.a. wieder bewusst, als ich zwecks Workshopvorbereitung nicht nur aus Liebe, sondern auch aus Erwachsenwerden ein Akrostichon bauen wollte. Bis ich das Folgende beisammen hatte, dauerte und dauerte … was ja vielleicht auch zum Thema passt: Weiterlesen

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Liebesworte

L ass uns
I mmer und
E wig einer
B eim andern
E ingehakt sein.

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Fast verlorengegangen

Das gesprochene Wort verweht, und selbst, wenn man eine Lesung audiovisuell aufzeichnen würde, ist es doch nicht dasselbe, wie dabei (gewesen) zu sein. Deshalb versuche ich ja, gerade über Lesungen umgehend zu schreiben – und zwar ganz unabhängig davon, ob es sich um eigene Veranstaltungen oder meinerseits besuchte solche handelt. Das ist mir diese Jahr gleich zwei Mal spektakulär daneben gegangen:

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Vom Wesen der Farce

Vermutlich hatte gestern so manch einer Seitenstechen vom Lachen, jedenfalls hatte das Publikum in der Premiere von Michael Cooneys „Cash – und ewig rauschen die Gelder“ unüberhörbar Spaß. Bis auf die drei oder vier, die zwischendrin den Saal verließen, weil die teils recht dick aufgetragene Farce wohl nicht ihren Humor traf. Doch das hätte sich leicht beheben lassen können, hätten sie vorab einen Blick ins Programmheft getan und Cooneys Gedanken zum Thema Farce gelesen. Doch der Reihe nach – so erlebte ich gestern die Inszenierung von Tobias Materna:

Eigentlich dreht sich alles nur um eine Unterschrift, die Außenprüfer Jenkins (Thomas Büchel, links) von Eric Swan (Stefan Diekmann) braucht. Dummerweise hat der sich gerade als sein erfundener Untermieter ausgegeben … (Foto: Martin Kaufhold)
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Am Boden

Was wäre, wenn Odysseus jeden Abend vom Krieg nach Hause gekommen wäre?, fragt sich die Pilotin, als sie nach der Babypause nicht mehr mit ihrer F16 ins Blau über dem Irak aufsteigen darf, sondern von nun an aus dem Halbdunkel eines Containers in Nevada eine Reaper steuert – also allabendlich vom Drohnenkrieg am grauen Bildschirm zurück ins traute Familienheim am Rand von Las Vegas kehrt. Jetzt feierte George Brants Monolog „Am Boden“ inszeniert von Felicia Daniel und wandelbar ausgestattet von Gesa Gröning in der Box in Essen Premiere. Herausgekommen ist vor allem dank der beeindruckenden, schauspielerischen Leistung Sabine Osthoffs ein intensiver und packender Abend.

12 Stunden voraus, anderthalb Sekunden entfernt und zugleich mittendrin: Drohnenpilotin (Sabine Osthoff) bei der Arbeit. (Foto: Diana Küster)
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Rot gegen den Winterblues

Natürlich kann man sich vor die Höhensonne setzen gegen den Winterblues oder in den Süden davonfliegen. Aber wem das eine zu langweilig respektive das andere zu teuer ist, der kann sich ja mal eine der wunderschönen Wagenbach-Ausgaben eines der Werke von Alan Bennett

besorgen – die schmeicheln der Hand, erfreuen das Auge und sorgen z.B. im Fall von Così fan tutte für reichlich Serotoninausschüttung. Weiterlesen

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Otello, tarnfarben

Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt, behauptet ein Sprichwort. Ob Regisseur Roland Schwab und seine Kostümbildnerin Gabriele Rupprecht das im Sinn hatten, als sie alle außer Desdemona (Gabrielle Mouhlen) und Emilia (Bettina Ranch) in militärische Tarnfarben steckten? Allein, was macht das aus Otello (Gaston Rivero), der bei Shakespeare „Der Mohr von Venedig“ und damit der sichtbar Andere, der, der nicht dazugehört ist? Einen eifersüchtigen Narren, formbar wie Wachs in Jagos Händen, so möchte man nach der Premiere von „Otello„, der Verdi-Oper am Samstag im Aalto-Theater in Essen meinen. Und sehr überzeugend ist das nicht.

Irgendwer ist immer am Boden: Jago (Nikolz Lagvilava) vernichtet Otello (Gaston Revero). (Foto: Thilo Beu)
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Kopflos

Kopflos. Ein seltsames Wort, wenn man drüber nachdenkt. Denn kopflos, das ist ja aus der Perspektive des Körpers gedacht, dem das Haupt abhanden gekommen ist. Aber wie sollte ein kopfloser Körper denken, welche Perspektive könnte er haben? Umgekehrt dagegen, so ein Kopf ohne Körper, das ist in der gewalttätigen Geschichte der Menschheit wie ihren Sagen und Mythen ein Siegeszeichen, eine blutige Trophäe. Manchmal auch ein Objekt der Begierde, wie bei Salome. Die Inszenierung des gleichnamigen Musikdramas von Richard Strauss, die Mariame Clément im letzten Jahr fürs Aalto-Theater geschaffen hat, hat es in sich …

Eine junge Frau, so lebenshungrig wie zerrissen: Salome (Annemarie Kremer) Foto: Martin Kaufhold
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Gedankentreiben

Draußen vorm Fenster treiben schon fast den ganzen Tag die Schneeflocken vorbei. Drinnen sitze ich und im Kopf treiben meine Gedanken nicht vorbei, sondern herum. Im Kopf beantworte ich Mails, die ewig schon der Antwort harren, in Gedanken rufe ich Menschen an, mit denen ich schon lang nicht mehr sprach. Und ich schreibe – Briefe, Beobachtungen, Blogbeiträge. Alles in der grauen Masse zwischen meinen Ohren. Und leider nur da. Weiterlesen

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