Für meinen Vater Peter-Carl Bach (+ 25.1.2024)
WeiterlesenHeimkommen
Lesereise im Regionalzug
Oder: Von Zombiebahnhöfen, Funklöchern und der Freude des Vorlesens
Vorweg gesagt, ich bin bekennende Bahnfahrerin, auch wenn es um die Reise zu Lesungen geht. Doch in letzter Zeit erweisen sich Bahnreisen immer häufiger als unfreiwillige Abenteuer, und das gilt gewiss auch für so manche Regionalbahnfahrt. Gestern Abend war ich in der Stadtbibliothek Leichlingen zu Gast, wo ich Kurzkrimis las, und die waren sicher nicht das einzig Spannende an der Sache …
WeiterlesenNotiz vom Rande
Eigentlich müsste es „Notiz von der Empore“ heißen, denn von dort, sozusagen aus luftiger Höh‘, verfolgte ich vorgestern in guter Gesellschaft Marion Poschmanns Auftritt bei Literatur: Literatur! der Reihe der Literarischen Gesellschaft Ruhr im Leseraum in der Essener Akazienallee. Im Gepäck hatte sie ihr aktuelles Buch „Chor der Erynnen“, ihren Parallelroman zu „Die Kieferninseln“.
WeiterlesenWortzeitkapseln
„Jetzt ist es mir nicht einmal gelungen, auch nur den ersten Gedichtband der Literaturnobelpreisträgerin des Jahres 2020 zu ihren Lebzeiten auszulesen“, war der erste Gedanke, der mir in den Kopf schoss, als ich am 13. Oktober 2023 von ihrem Tod aus den Nachrichten erfuhr. Heute dann las ich mit „Horses“ das letzte Gedicht aus „The First Four Books of Poems“, der 1995 bei Ecco erschien und ihre frühen Werke aus den späten 1960ern bis Mitte der 1980er enthält.

Dichtung, Wahrheit und alles Dazwischen
Gewiss, ich weiß auch, man soll ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen, aber diese Frau mit der wilden Mähne voller säbelklingenartiger Spitzen, auf denen (für mich) nicht entzifferbare Notizen stehen, diese Frau, von der nur die Augen mit dem wachen Blick ausgeleuchtet sind, der Rest bleibt im Schatten, die muss man einfach anschauen. Und wenn man ihr schon in die Augen geblickt hat, nun, dann bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als das Buch in die Hand zu nehmen, aufzuschlagen und sich sogleich lesend in die Welt von Slata Roschals „153 Formen des Nichtseins“ zu begeben.

Goldglänzend
Ganz schön schwierig: Wie schreibe ich über einen Theaterabend, der sich selbst „Showtime (ein enttäuschender Abend)“ nennt, in dem es ums Scheitern und um Enttäuschung geht, der aber durch und durch mitreißend ist? Am besten, ich fange mit den Fakten an: Das Stück, geschrieben und inszeniert von Felix Krakau, hatte gestern Abend in der Essener Casa Premiere, und Universalschauspieler David (Christopher Heisler) fesselte das Publikum von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Literaturnotizen mit Abstand (2)
Und weiter geht es mit meinem Versuch, meiner eigenen Lektüre hinterher zu schreiben. Diesmal mit drei Büchern aus männlicher Feder in der Reihenfolge ihres Erscheinens. Los geht es mit Robert Musils Nachlass zu Lebzeiten, das 1936 erstmals erschien.

Literaturnotizen mit Abstand (1)
Immer wieder darüber zu klagen, dass ich mich nach wie vor das Leben mit seinen Unwägbarkeiten so in Atem hält, dass ich zum öffentlichen Schreiben nur noch sporadisch komme, bringt ja nichts und niemand weiter … bevor ich aber Gefahr laufe, unter umstürzenden Stapeln ausgelesener Bücher begraben zu werden, schreibe ich doch lieber über die ersten drei davon …

Anfangen
Wie anfangen – eine neue Intendanz, die erste Spielzeit, das erste Stück oder auch einfach nur einen Text über eben dieses? „Doktormutter Faust„, Fatma Aydemirs feministische Überschreibung von Goethes Klassiker, beginnt in der Inszenierung von Selen Kara gewissermaßen vor dem Anfang. Mir erschien das riesige Video eines Menschen in Embryostellung im Theaterdunkel des Essener Grillo-Theaters gestern Abend jedenfalls wie der Moment unmittelbar vor der Geburt. Oder war’s doch die Ruhe vor dem Sturm?

Literatur, musikalisch
Phrasen, Themen, Motive, dazu Rhythmus, Wiederholung und Variation – das sind nur einige Parallelen zwischen Literatur (in diesem Fall erzählender Prosa) und Musik. Zugleich spricht man ja immer wieder von „symphonischen Dichtungen“ und Tschaikowsky selbst gehörte wohl zu den Menschen, die Lebenserfahrungen in Kunst verwandelten, darin geradezu den Auftrag an sich als Künstler sahen. Das galt für ihn in besonderem Maße für sein letztes Werk, die „Symphonie Pathétique“. Wie passend, dass Klaus Mann diesen Titel auch für seinen 1935 erschienen Tschaikowsky-Roman wählte.
