Istanbul in Essen

Eine bekannte Geschichte mit umgedrehten Vorzeichen zu erzählen, das ist die Prämisse, die „Istanbul“ zugrunde liegt, denn hier zieht ein türkisches Wirtschaftswunder deutsche Arbeitskräfte per Anwerbeabkommen an den Bosporus, wo sie nun ihrerseits auf eine fremde Kultur und Religion und fremde Sprache stoßen. Wie sich hier behaupten, wie im Istanbul der 1960er und 70er Jahre mit der Trennung von Liebsten und Heimat umgehen? Diesen Kampf in 15 Songs der türkischen Popsängerin Sezen Aksu gehüllt erlebt im Essener Grillo-Theater stellvertretend Klaus, der in der Premiere von Roland Riebeling gespielt wurde.

Teils blaue Moschee, teils Kneipe und Marktplatz, um den herum die Zuschauer auf und direkt vor der Bühne an langen Tischen sitzen. In der Mitte das Ensemble des Liederabends auf einem mit Orientteppichen geschmückten Podest.
Teils blaue Moschee, teils Kneipe und Marktplatz dazu oder eben“Istanbul“ in Essen: Jan-Sebastian Weichsel, Ceren Bozkurt, Sümeyra Yilmaz, Silvia Weiskopf, Lene Dax, Alican Yücesoy, Torsten Kindermann, Koray Berat Sari (Foto: Fatih Kurçeren)
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Lektürenotiz: Elkes Altern

Eigentlich ist es doch ein Glück: alt zu werden. Trotzdem tun wir uns schwer mit dem Altern. Muss das so sein? Kann das nicht auch anders gehen? Elke Heidenreich stürzt sich in ihrem kurzen Buch „Altern“ (2024 erschienen bei Hanser Berlin) mit all ihrer Erfahrung, der gelebten wie der erlesenen, ins Thema und beschenkt die Leser:innen (sorry, das musste sein … ;-)) mit einem wunderbar wilden Ritt.

Elke Heidenreichs "Altern" auf einem alten Schal mit verblassendem Paisley-Muster
Ein kurzes Buch über ein andauerndes Thema: Elke Heidenreichs „Altern“
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„Ferngespräch“ mit Marion Poschmann und Anja Liedtke

Seit Juli läuft die aktuelle Lesereihe „Ferngespräch“ des Literaturgebiet Ruhr, bei der in wechselnden Städten des Ruhrgebiets eine Autorin ‚von hier wech‘ mit einer Kollegin von außerhalb zusammentrifft und auf der Bühne ein literarischer Austausch beginnt. Letzten Mittwoch begegneten sich so Marion Poschmann mit „Chor der Erynnen“ und Anja Liedtke mit „Der Himmel ist altes Silber“ in Essen. Wobei dieses Gespräch über Nature Writing nur bedingt ein Fernes war, schließlich kommen beide Autorinnen ursprünglich aus dem Ruhrgebiet (aus Essen bzw. aus Bochum), bloß lebt Poschmann inzwischen in Berlin …

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Omri Boehm: Radikaler Universalismus

„Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ – es gibt Tage, da möchte ich verzweifelt Immanuel Kants Worte an jede Wand sprühen. Ob Omri Boehm ähnlich fühlte, als er sich aufmachte „Radikaler Universalismus. Jenseits von Identität“ zu schreiben? Möglich wäre es. Das Folgende ist jedenfalls mein Versuch, meine Lesart seines klugen, zum eigenen Denken und auch zum Weiterlesen anstiftenden Buches (auf Deutsch erschienen 2023 bei Ullstein) nachzuzeichnen.

Unbedingt lesenswert: „Radikaler Universalismus“ von Omri Boehm
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Wundersames Weihnachtsmärchen

„Das ist mehr Musical als so ein Theater“, wunderte sich ein kleines Mädchen hinter mir in der gestrigen Premiere von „Alice im Wunderland“ im Grillo-Theater, während in den Reihen vor uns manch Kuscheltier im Takt mitwippte. Stimmt durchaus, passt aber zum Weihnachtsmärchen. Und mit Ekat Cordes Inszenierung von Lewis Carrols Klassiker und dem kleinen, aber feinen Ensemble hatten sichtlich und hörbar Menschen aller Altersklassen Spaß.

Tea Time zu viert zur Begrüßung im Wunderland: Grinsekatze (Nicolas Matthew), Alice (Hân Nguyễn), Raupe (Ronald Tadusch González) und Hutmacher (Philipp Noack). Foto: Björn Hickmann
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Lichtblick

Ich weiß nicht, wie es anderen da draußen in der Welt geht. Ich fühle mich gerade so, als wäre ich mit der Achterbahn in die Waschtrommel einer gigantischen Waschmaschine gerast, die mich nach ein paar Runden Schleudergang wieder ausgespuckt hat, sodass ich noch ein wenig benommen und desorientiert dastehe. Gestern noch war die Welt zumindest hier in der Gruga in Ordnung – es war einfach ein friedlicher, ruhiger Herbsttag. Ob es wohl möglich ist, ein Stück von diesem Lichtblick mitzunehmen in die nebligen und womöglich stürmischen Zeiten, die vor uns liegen?

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Lektürenotiz: Hackes Heiterkeit

Zwei Dinge sollte ich gleich zu Beginn meiner Lektürenotiz klarstellen: Erstens lautet der vollständige Titel von Axel Hackes 2023 bei Dumont erschienem Buch „Über die Heiterkeit in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wichtig uns der Ernst des Lebens sein sollte“ – und es war dieser wunderbar überlange Titel, der mich zum Lesen verlockte und ganz sicher nicht der kleine orangerote Aufkleber rechts oben. Bestseller, denke ich meist, bekommen schon genug Aufmerksamkeit, meine brauchen die nicht auch noch. Und zweitens las ich das Buch bereits kurz vor unserem Sommerurlaub …

Das gelb gepunktete Cover von Axel Hackes Buch auf einer dunkelblauen Decke.
Haben die gelben Punkten nicht eine gewisse, heitere Ausstrahlung?
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Konzertnotiz: Bia Ferreira

Am Wochenende eröffnete Bia Ferreira die Reihe „Women’s Voice“ in der Essener Philharmonie mit einem mitreißenden und in jeder Hinsicht diversen Konzert, was es schwer macht, es adäquat zu beschreiben. Zumindest, was die musikalische Vielfalt ihrer MMP – Música de Mulhar Preta (Black Woman Music) angeht, denn politisch positioniert sich die brasilianische Künstlerin und LQBQT-Aktivistin absolut eindeutig.

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Ausgelesen: Bordlektüre

Drei Bücher hatte ich mit nach Norwegen genommen, geschrieben habe ich bisher jedoch erst über „Heilung“ von Timon Karl Kaleyta, das ich an Bord der MS Richard With zurückließ. Wie aber war die Reise mit „Show Them a Good Time“ von Nicole Flattery und „Evening in Paradise“ von Lucia Berlin?

Die Taschenbuchausgaben von Nicole Flatterys "Show them a good time" und Lucia Berlins "Evening in Berlin"
Zwei von drei, die mit an Bord waren: Lucia Berlin „Evening in Paradise“ und Nicole Flattery „Show Them a Good Time“
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Workshoplesung „Nature Writing“

Wie, Workshoplesung? Macht man nicht sonst entweder einen Workshop oder eine Lesung? Mag sein, aber bei der Lesung am Montag, den 28.10.24 in der Stadtteilbibliothek in Essen-Frohnhausen geht es um Texte, die beim Nature Writing 3 in der Gruga entstanden oder davon inspiriert sind – und alle an Literatur & Natur interessierten Menschen sind herzlich eingeladen:

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