Vom Ende her gedacht

Romane erzählen Geschichten, und diese wiederum bestehen für gewöhnlich aus einem Anfang, einer Mitte und einem Ende. Was davon was ist, wird zumeist vom Ende rückblickend bestimmt – und auch vom Genre: Viele Liebesgeschichten beginnen mit der ersten Begegnung derjenigen, die anschließend zu den Liebenden werden, während Kriminalromane häufig mit einem Verbrechen oder auch der Entdeckung eines solchen starten. Am Ende finden die Liebenden zusammen oder trennen sich endgültig und das Verbrechen ist geklärt. Ganz anders, geradezu fundamental anders sieht die Sache bei Lydia Davis‚ wunderbarem Roman The End of the Story aus. Weiterlesen

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Melancholie

Urlaubsende. Wieder zuhause. Noch halb am anderen Ort (in unserem Fall: das traumhafte grüne Irland), ist der Rückblick voller Melancholie: So saß Fritz noch vorgestern in unserem Cottage in New Ross am Fenster …

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Unter deine Haut

Seit ich denken kann, fasziniert mich die Vorstellung, für eine begrenzte Zeit meinen Körper gegen den eines anderen Menschen einzutauschen, gar von Körper zu Körper wechseln: durch die Geschlechter und über Altersgrenzen hinweg, um verschiedene Wahrnehmungsweisen, Fähigkeiten und natürlich auch Einschränkungen kennenzulernen. So könnte ich herausfinden, was individuelle Unterschiede sind und ob die Gemeinsamkeiten zwischen vermeintlich Ähnlichem (wie etwa unter Frauen/Männern, innerhalb einer ethnischen Gruppe o.ä.) tatsächlich groß genug sind, um die entsprechenden ‚Einordnungen‘ zu rechtfertigen. Entsprechend erfreut war ich, als ich von David Levithans Every Day hörte. Jetzt habe ich es gelesen. Weiterlesen

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Zeitfragmente

Zeit mag messbar sein, wenn es um die erlebbare/erlebte Form davon geht, zerrinnt sie oftmals wie Sand oder auch Wasser zwischen den Fingern. Manchmal bleibt jedoch das eine oder andere Fragment hängen — wie der folgende Text zeigt, allein schon, weil er mich schon viele, viele Jahre begleitet (und entsprechend oft in winzigen Details bearbeitet wurde): Weiterlesen

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Lebenszeichen

Zur Zeit versuche ich, mich mit flacher Atmung und kühlen Gedanken über Wasser zu halten – denn leider haben wir es verabsäumt, diese Hitzewelle vorherzusehen, als wir im Februar unseren Urlaub planten und so sitzen wir nun hier mitten in der Stadt unterm Dach und schwitzen, schwitzen, schwitzen …

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Nixen und Wassertherapie

Gestern lief im Essener Aalto-Theater zum letzten Mal in dieser Spielzeit Anton Dvoraks Oper Rusalka in der so fantastischen wie feministischen Inszenierung der niederländischen Regisseurin Lotte de Beer – und ich kann nur sagen, einen solchen Opernabend habe ich noch nie erlebt.

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Wassertherapie statt romantische Nixenidylle: Rusalka (Sandra Janušaitė) in der Wanne umgeben von ihren drei Elfenschwestern (Christina Clark, IIeva Prudnikovaite, Marie-Helen Joël). Foto: Bettina Stöß

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Vorsicht, Absturzgefahr!

Manchmal ist die Haut, der Schleier oder wie immer man das nennen will, was Alltagswirklichkeit und inneren Abgrund trennt, hauchdünn. Dann braucht es nur einen einzigen falschen Schritt, und nichts stimmt mehr: lockedob1 Weiterlesen

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Ab ins Beet

Ja, ich weiß, der Winter war zu mild, das Frühjahr vielerorts zu trocken und zu kühl, und wenn das hier der Sommer sein soll … allein, wer einen Garten oder Balkon hat, dem nützt das Lamentieren nichts, der muss raus und ran an Beete und Pötte. Und gerade, wenn das Wetter nicht ideal ist, sind womöglich Ratschläge besonders willkommen: cover-gartentipps hat Gesine Schulz unter KriminalschriftstellerkollegInnen einge- und in diesem E-Book versammelt. Auch von mir ist der eine oder andere dabei. 😉 Weiterlesen

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Im Zwiespalt

Shakespeares Sturm hat mit dem Zauberer Prospero, der über Dreiviertel des Stücks von einer Art pädagogischem Rachewunsch für seine Vertreibung von Mailands Thron getrieben ist, eine eigenartige, zwitterhafte Hauptfigur. Und so wie er zwischen „Weisheit“ und „Macht“ steht, bedient er sich einerseits des ‚guten Geistes Ariel‘ und andererseits des ‚bösen Monsters Caliban‘. Dazu dann die überaus naive Tochter Miranda, die sich prompt in Ferdinand, den ersten Jüngling, den sie je erblickt, verliebt, und die bis auf eine Ausnahme korrupte/machtgierige Hofgesellschaft, die sich Prospero mit dem Sturm auf die Insel holt – das sind wilde Zutaten, die ein wenig an den Sommernachtstraum erinnern und von der Regie vor allem eines erfordern: Entschiedenheit. Leider fehlte diese wie auch so manches andere Thomas Krupas Inszenierung, die jetzt im Grillo-Theater in Essen Premiere hatte. Weiterlesen

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Wahrteraum

Es ist ein bisschen peinlich, aber wahr, obwohl es wie kalkulierte Ironie des Schicksals anmuten mag: Es sind bereits 14 Tage seit der Premiere von Jelena Ivanovics Stück Wahrteraum in der Maschinenhalle auf dem Gelände der Zeche Carl vergangen. Das einzige, was mich etwas über meine Trödelei hinwegtröstet – die nächste Vorstellung gibt es erst am 20. Juni im Rahmen von ExtraSchicht. Und wenn Sie sich auch nur im Entfertesten für zeitgenössisches Tanztheater und (mehr oder minder) moderne Mythen interessieren, sollten Sie sich rasch eine Karte besorgen. Weiterlesen

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