Beklemmende Logik

Wenn Sie beim Krimi nur interessiert, wer’s war und bestenfalls noch auf die (Ermittlungs)Technik schauen, ist Der Kameramörder von Thomas Glavinic vermutlich nichts für sie. Aber wenn Sie von Kriminalliteratur mehr erwarten als spannende Unterhaltung und "er ist ein Soziopath/Psychopath/verrückt" nicht für eine sinnvolle Erklärung halten, sieht das schon anders aus. Meine Gedanken dazu sollten Sie allerdings nur lesen, wenn Sie die Frage nach dem Whodunnit garantiert nicht interessiert bzw. die Antwort nicht vom Roman abhält …
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Und ewig nervt der Präsens …

Wie ich es finden soll, dass für den Hans-Jörg-Martin-Preis 2012, in dessen Jury ich diesmal sitze, bislang noch nicht mal 20 Bücher eingereicht wurden, weiß ich nicht. Vielleicht kommt da noch mehr und dann sitze ich im Dezember da und kann nur noch lesen, lesen, lesen. Ich hoffe bloß, spätestens dann bleibe ich verschont von der grassierenden Unart, Romane sinnlos im Präsens zu schreiben …
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Balkon der toten Helden

Der Ritt der Walküre dürfte eines der meist (an)gespielten, manche sagen: abgenutztesten, Musikstücke der westlichen Welt sein. Doch auch allzu bekanntes kann man aus neuer Perspektive hören und sehen – wie ich letzte Woche im dritten Balkon des Aalto-Theaters in Essen zusammen mit einer handvoll toter Helden erlebte.
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Taschenspielertricks

Ich wollte es gar nicht glauben, als man mir erzählte, in der Essener Premiere von Corpus Delicti seien manche Zuschauer bereits in der Pause gegangen – aus Versehen, weil sie dachten, das Stück sei zuende, und nicht etwa aus Protest. Nun habe ich es endlich selbst gesehen und frage mich, ob das nicht das Beste ist, was man mit diesem Stück tun kann …
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Superheldenpanik

Also, Sie müssen jetzt wirklich nicht panisch zur nächsten Vorverkaufsstelle rasen, um sich superheldenhaft Tickets für Angstmän, das panische Kammerspiel für alle ab 8, zu besorgen. Diese Spielzeit wird das eh nichts mehr. Aber Sie sollten dringend drauf drängen, dass eine Warteliste für die Wiederaufnahmen in der nächsten Spielzeit eingeführt wird: Das Stück ist nämlich superheldenkomisch und panikstark. Bloß leider hat die Essener Box nur 61 Plätze, von denen aus man Angstmän (Jannik Nowak) und Pöbleman (Stefan Diekmann) zusehen kann, wie sie die Wohnung von  Jennifer (Laura Kiehne) und ihrer mal wieder nächtlich arbeitenden Mutter verwüsten …
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ImmerHin

Immerhin – Warum nich? sticht aus der Fülle der derzeit am Essener Grillo gebotenen Liederabende gleich zweifach hervor: Er wird dort gespielt, wo so ein Liederabend hingehört – im Cafe Central, also ganz nah am Publikum. Und er funktioniert musikalisch wie auch in jeder anderen Hinsicht. Jannik Nowaks "Tribut an Bodo Wartke" kann man also nur empfehlen: Immer hin!
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Kraftvolles Spiel

Nein, ich meine nicht Nationalelf der Deutschen Damen, obwohl das generell sicher auch auf sie zu trifft. Während diese sich am Donnerstag gegen die Nigerianerinnen durchsetzten, war ich mal wieder im Ballett. Ptah II ist ein Abend gestaltet von jungen Choreographen, an dem nicht nur der Ort – im Essener Schauspiel, dem Grillo-Theater, vermuten die ansonsten das Aalto gewohnten Ballettfans keinen Tanz – sondern vor allem die Frische und Kraft der (allermeisten) Choreografien und Tänzer.
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Verflixte Logik

Gewiss ist das hier auch ein Stück weit Ablenkung von meinen eigenen Schreiben, das derzeit aus einem seltsamen Wechsel von Schreibanfall und Schrreibtischumschleichen oder eben anderen Ablenkungsmanövern besteht. Aber da mich meine Krimilektüre gerade doppelt überrascht hat,  muss ich eben doch zwei, drei Gedanken zu Edgar Allan Poes Monsieur Dupin und Jeffery Deavers Praying for Sleep loswerden.
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Näglein, Näglein an der Wand

… wer ist der Ätzendste im Land? Das könnte ein Leitfrage für Eric Bogosians Pounding Nails in the Floor with my Forehead sein. Vielleicht ist es auch ein Leidfrage, das weiß man bei bissiger Komödie der übersetzten Art ja nicht immer auf Anhieb. Tom Gerber in der Inszenierung von Donald Berkenhoff ist auf der Minibühne der Box jedenfalls in nahezu all sein Rollen, die aus den Rollen fallen, ziemlich sehenswert.
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Mentalisieren

„Psychische, körperliche und soziale Folgen sexueller Gewalt – Was brauchen die Überlebenden?“- darum ging’s im heutigen Vortrag von Michaela Huber, der zugleich so etwas wie die Feier des 20. Jubiläums von Wildwasser Duisburg war. Und weil Michaela Huber einerseits ja eine der Koryphäen der Traumafolgenforschung und vor allem in Sachen von Dissoziation, MPS/DIS & Therapie ist, ich/wir jedoch im Detail oftmals konträre Ansichtenm vertreten, haben wir uns die Gelegenheit zur „Live-Betrachtung“ nicht entgehen lassen können.
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