Geistreich

Ein weiterer schmaler Band, der es in sich hat: Ghosts von Eva Figes aus dem Jahr 1988 ist für mich eine geistreiche und poetische Meditation über Vergänglichkeit. Ein Tageslauf, ein Jahresrund, eine Frau, die ganz alltäglichen Beschäftigungen nachgeht. Nichts Spektakuläres, denn in einem gewissen Alter sind verstorbene und durch Demenz der Gegenwart entrückte Eltern nichts Ungewöhnliches. Sparsame Handlungen, und doch ist am Ende nicht nur das Elternhaus ausgeräumt und die Vergangenheit sortiert, obendrein ist jede Figur einen Platz weiter gerückt: Weiterlesen

Veröffentlicht unter Schreibkram | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Und ob sie’s kann: Lydia Davis

Can’t and Won’t heißt die Sammlung von 122 Erzählungen, Kurz- und Kürzesgeschichten aus der gespitzten Feder der wunderbaren Lydia Davis, und bereits die titelgebende Geschichte beweist ihren famosen Sinn für Humor: darin erfährt der Leser, dass man der Ich-Erzählerin einen Literaturpreis wegen Faulheit verweigert, da sie sich weigert, „cannot“ and „will not“ auszuschreiben, und eben statt dessen „can’t“ and „won’t“ verwendet. Ach, wäre das Schreiben pointierter Prosa ohne jedes überflüssige Wort, ja ohne jeden unnötigen Buchstaben doch nur so einfach! 😉 Weiterlesen

Veröffentlicht unter Schreibkram | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Alice Munro: The Progress of Love

Ein Sammelband von 1982, darin ein Dutzend Geschichten, in denen zumindest auf den ersten Blick wenig Spektakuläres erzählt wird, das sind gewissermaßen die Eckdaten von Alice Munros The Progress of Love. Allerdings bleibt mir diesmal nach dem Zuklappen des Buches nicht nur Gutes in Erinnerung. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Schreibkram | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Krönender Abschluss?

Die Ferien haben längst begonnen, und das nicht nur im Theater. Und dass ich im Aalto-Theater in Essen Wolfgang Amadeus Mozarts La Clemenza di Tito sah, ist noch länger her. Was mich jetzt aber doch ein wenig schockiert: Die Inszenierung, die Anfang Juni erst Premiere hatte, ist inzwischen spurlos vom Spielplan wie von der Webseite der TUP verschwunden. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Theater | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Beklemmend: Eva Figes‘ „Days“

Ein Krankenzimmer, eine Frau im Bett, die auf einen leeren Besucherstuhl blickt, dahinter ein Fenster mit kahlen Bäumen und grauem Himmel, das ist schon beinahe alles, was in Eva Figes schmalem Roman Days aus dem Jahre 1974, vorkommt. Und das Beklemmende an der Sache ist nicht, dass die Frau im Bett nicht aufstehen, sich nicht bewegen kann – obwohl die Vorstellung, so auf andere angewiesen zu sein, gewiss schon alles andere als angenehm ist. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Schreibkram | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Aus und vorbei

Die Spielzeit endete letzte Woche, und mit ihr verschwindet auch Umständliche Rettung, das Siegerstück des Autorenwettbewerbs „Stück auf!“ 2016 aus der Feder von Martina Clavadetscher vom Spielplan. Nachdem ich die vorletzte Vorstellung der Inszenierung von Thomas Ladwig zusammen mit gerade mal elf weiteren Zuschauern gesehen habe,  muss ich sagen, das ist kein Verlust. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Theater | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Explodierende Terminkalender

Sommerzeit, Ferienzeit – von wegen! Sommerzeit, Baustellenzeit, das trifft es schon eher, denn gerade wird nicht nur im Nachbarhaus gleich hinter meinem Rücken gestemmt, gebohrt, gehämmert und anderweitig gelärmt, sondern draußen, auf den Straßen rund ums Haus herum scheint’s auch nichts zu geben als aufgerissene und gesperrte Straßen, Umleitungsschilder und Staus. Bis vor einer Woche hielt ich all das für den größten, akuten Unbill. Dann explodierte mein Terminkalender. Und das, wo ich gerade noch gedacht hatte, in diesem Jahr hätte ich es hinbekommen, mir die Ferienzeit einigermaßen freizuschaufeln …

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Verschiedenes | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Brecht, packend

Gestern lockte mich Bertolt Brechts Leben des Galilei ins Grillo-Theater, wo es in der Inszenierung von Konstanze Lauterbach Premiere hatte: Unsicher, ob ich dafür nach einem langen Tutoriumstag noch Energie hätte, kam ich, bestens unterhalten, den Kopf glücklich voller Ideen und Bildern ging ich danach wieder nach Haus. Ein fast perfekter Theaterabend, durchdacht inszeniert, ungeheuer lebendig auf die abstrakte Bühne (Ann Heine) gebracht vom spielfreudigen Essener Ensemble und mit viel Milch serviert.

Der geniale Denker und Forscher, in die Ecke gedrängt? Axel Holst als Galileo Galilei in der Essener Premiere

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Theater | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

The Sorrows of an American

Als ich im Frühjahr beschloss, ich müsse dringend mal wieder was von Siri Hustvedt lesen, fand ich es jedoch erstmal sehr schwer, mich für eines ihrer Werke zu entscheiden. Bis ich auf den Titel The Sorrows of an American stieß: Was könnte angesichts des aktuellen Präsidenten passender sein? Natürlich ist Hustvedts 2008 erschienenes Buch keine Trump-Prophezeiung. Dann hätte ich es auch nicht mit so viel Genuss gelesen … Weiterlesen

Veröffentlicht unter Schreibkram | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Ausgetanzt

Während ich nun endlich die Zeit finde, über  Ptah IV zu schreiben, das bereits vor gut zehn Tagen im Essener Grillo-Theater Premiere hatte, wird genau dort alles für die dritte und letzte Vorstellung dieses besonderen Tanzabends aufgebaut und eingeleuchtet. Schade, dass Julia Schalitz‚ „Philia“, Yanelis Rodriguez‚ „Life is Calling“, Qingbin Mengs „M.Selbst“, Kevin Durwaels „Living Waters“ und Igor Volkovskyys „Kak Dela!?!“ danach wohl nicht mehr zu sehen sein werden …

Junge Choreografen voller Energie und Ideen, die hoch hinaus wollen: Qingbing Meng in seinem Solo „M.Selbst“ (Foto: Mario Perricone)

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Theater | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen