Frühling, alles wird neu und schön und weit. In diese Weite hinein entlasse ich nun eine Handvoll Gedichte, auf dass sie nicht mehr im Dunkel der virtuellen Schublade schmachten müssen. Und das ist das erste der fünf:

Auftakt
Wie schön alles ist:
die Sonne, der Himmel, die Bäume,
das Schaukeln im Bus und meine Mama neben mir!
So blau der Himmel, so grün die Bäume, so warm,
so wohlig das alles, wie ein Lächeln in mir.
In mir, was ist das?
Was ist das Ich, das hier denkt?
Denkt mein Ich oder denke ich?
Und warum ist mein Ich hier neben Mama
und nicht dort in dem Mädchen hinten im Bus?
Sieht auch sie Himmelsblau, Tannengrün
und goldblond das Haar von Mama?
Oder ist ihr Blau mein Grün, und wir wissen es nicht?
Weiß ein Strich – Strich – Strich –
Weiß auf Grau das Muster der Straße
Strich hinauf in den Himmel – der Schornstein der Fabrik
Strich hoch, Striche seitlich, kreuz und quer – ein Baum
Striche mal längs, mal quer, mal hin und her,
grad und schräg, lang und kurz - die Linien meiner Hand.
Meine Hand? Mein Ich?
Was, wenn ich nicht wirklich sondern
Traum eines anderen Mädchens bin?
In einem Traum, kann man da leben, atmen, sein
und merkt es nicht? Wie weiß ich,
was wirklich ist? Mama neben mir, das Mädchen
dort hinten, der Junge, sein Hund, der Busfahrer – wir alle
Traum einer anderen?
Wo sind wir, wenn die andere erwacht?
Kennt sie uns oder sind wir für sie nur Striche in der
Landschaft ihres Traumes?
(Co) 2024 by Mischa Bach