Was in „Auftakt“ mit der Frage nach dem Ich, dem Traummädchen und der Kindheit begann, führt im zweiten der insgesamt fünf Gedichte mitten hinein ins Dazwischensein des Werdens als Teenager:
Dazwischen (zerrissen)
Einst waren wir, was immer das Spiel verlangte:
Piratin, Prinz, Entdeckerin, Wolfs- oder Götterkind -
flogen über Weltmeere der Fantasie, ritten im Sturm
durch Wüsten bei der Kiesgrube oder
erforschten den Urwald,
der Nachbars Garten war.
Jetzt weiß ich nicht mehr:
ICH, wer ist das? Wer werde ich
oder wird mein Ich, ich weiß nicht was?
Mein Körper wächst, ganz wie er will.
Ich komme nicht mehr mit.
Nichts passt, zu lang die Glieder, sie
stoßen an der Türen Rahmen,
als wollten sie mich hindern,
das Kindsein hinter mir zu lassen.
Ich will hier raus, will endlich los -
will mich verpuppen, den Kokon durchbrechen -
endlich fliegen, frei sein.
Ich will, will unbedingt oder kann ich etwa nicht?
Es muss es doch geben, das Land meiner Träume:
Den Ort, an den ich gehöre,
wo ich nicht Schaf bin unter lauter Ziegen,
wo ich mich finde und im Fluss bin,
ich einfach Ich sein kann,
oder etwa nicht?
(Co) 2024 by Mischa Bach