Eine Handvoll Klassiker

Manchmal habe ich seltsame „Anfälle“, was die Auswahl meines Lesefutters angeht. Phasenweise lese ich nur Englisch, dann muss es plötzlich Literatur einer gewissen Periode sein oder es darf alles außer Serienkillerkrimis sein. Jetzt hat es mich zu einer Art „Klassikaufholjagd“ in Sachen Krimis getrieben: Je ein Buch von John Dickinson Carr, S.S. van Dine, Ellery Queen, Ngaio Marsh und John Ball standen auf meinem „Speiseplan.“

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Verschraubtes

Hätte ich Das Dreizehnte Kapitel zuende gelesen, wenn es nicht von Martin Walser wäre? Hätte das Buch überhaupt auch nur irgendwer gelesen, wenn es einen gänzlich unbekannten Verfasser hätte? Vermutlich wäre es schlicht in der Versenkung verschwunden bzw. in der Schublade geblieben. Denn was will man mit solcher Altherrenliteratur – erst recht als Frau?

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Weiße Verzweiflung

Ein weißes Labyrinth auf einer Schräge, das enge Grenzen setzt, aber auch kleine Räume schafft – so hat sich Andreas Jander das südrussische Dorf vorgestellt, in dem Mendel Singer (Tom Gerber) mit seiner Familie stets am Rand der Verzweiflung lebt: Seinen Söhnen Jonas (Tobias Roth) und Schermajah (Jens Ochlast) droht der Militärdienst, Tochter Mirjam (Annika Martens) hurt mit Kosaken herum und dem behinderten Menuchim (Johann David Talinski) kann ohnehin nur ein Wunder helfen. Das ist die Ausgangslage von Joseph Roths Roman Hiob, der Vorlage von Koen Tachelets Stück, das gestern im Essener Grillo-Theater Premiere hatte.

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Haare und Meer

Gleich vorweg: Ich verstehe immer noch nicht allzu viel von Opern. Pelléas et Méllisande, Debussys Lyrisches Drama in fünf Akten, das ich mir am Donnerstag mit einer Freundin im Aalto Theater in Essen ansah und -hörte, war womöglich die zehnte, vielleicht auch die zwölfte Oper meines Lebens. Aber was genau haben wir da gehört und gesehen?

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PoPe oder emanzipatorische Fragmente

Murder by the Book? hat Sally R. Munt ihre Untersuchung zu Kriminalroman und Feminismus überschrieben, und ich gebe gleich mal eine Sache vorweg zu: ohne mein Seminar „Schreibt sie anders, als er liest?“ hätte ich es wohl nicht gelesen und eine Menge verpasst. Dabei geht es mir gar nicht mal so sehr um Munts interessante Theorien oder die vielen Autorinnen und Bücher, die sie vorstellt (von denen ich mir so manches am liebsten gleich ins Regal stellen würde). Die echte Überraschung nicht nur bei diesem Buch, sondern ganz generell bei der Beschäftigung mit Gender und Feminismus in Bezug auf Kriminalliteratur war die Feststellung, wie überaus anregend all das für mich war (und ist).

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Ein seltsames Buch

Tödliche Schlagzeilen heißt die deutsche Übersetzung von Michael CollinsThe Keepers of Truth, das im Original im Jahr 2000 erschien, jedoch aus irgendeinem Grund in den späten 1970ern, irgendwo im Niedergang der kleinen und mittleren Industriestädte, knapp vor Beginn von Reagan-Ära und Thatcherismus angesiedelt ist. Weiterlesen

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Dicht, Dichter, Polleke

Ich bin ja recht skeptisch, wenn schon wieder mal ein erfolgreiches Buch für die Bühne adaptiert wird. Wenn der Autor dann noch wie Guus Kuijer für sein Werk mit Preisen überschüttet wurde, steigt mein Bedenkenpegel bedenklich. Doch bei Siegfried Hopps Inszenzierung von Wir alle für immer zusammen, die heute in der Essener Casa Premiere hatte, ist all das überflüssig – die ist nämlich ideenreich und wunderbar gelungen!

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Endlosschleife im Amt

Chronisch überlastet, so oder so mit Argusaugen von allen Seiten beobachtet und dabei stets in Gefahr, alles, aber auch alles falsch zu machen. Das wäre eine Art, Mitarbeiter eines beliebigen, deutschen Jugendamtes zu beschreiben. Denn wie soll man von Amts wegen außen richtig stellen, was von innen, eben aus den Familien, den sogenannten,  heraus explodiert, implodiert? Dass das nur schief gehen kann, beschreibt Felicia Zellers Kaspar Häuser Meer. In Essen hat das jetzt Thomas Ladwig inszeniert und herausgekommen ist ein teilweise ausgesprochen sehens- und hörenswerter Abend.

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Ente bittersüß

Ob man ‚danach‘ als Engel mit Flügeln auf einer Wolke sitzt und auf die Erde hinabschaut? Oder landet man gar irgendwo tief unten, wo man gegart und süßsauer zubereitet wird? Was sich Enten alles erzählen, meint der Tod (Tobias Roth) und lächelt verlegen. Was danach kommt, weiß er auch nicht. Und was davor ist, vom Leben, davon erzählt ihm die Ente (Anna Döing) in Nora Dirisamers Stück Ente, Tod und Tulpe (nach dem Buch von Wolf Erlbruch), das gestern in der Box, der kleinsten Bühne des Schauspiels Essen, Premiere hatte.

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Frauensachen

Da ich gerade für mein neues Uni-Seminar zum Thema „Schreibt sie anders, als er denkt? Gender & Kriminalliteratur“ lese, kann ich über den größten Teil meiner Lektüre z.Zt. schlecht im Blogg schreiben. Theoretisch könnte man auch die drei Romane von Amanda CrossThe Theban Mysteries, Death in a Tenured Position und The Players Come Again – in diese Rubrik einordnen, doch so viele Referatsthemen werde ich kaum brauchen. Und da meine Studenten ja auch diesmal alles, außer Literaturstudenten sein werden, behalte ich Cross‘ akademisch-literaturwissenschaftliche Detektivin Kate Fansler einfach für mich bzw. fürs Blogg.

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