Revolution 3.0 oder Occupy Bredeney

Revolutionär – was ist das schon? Die ganze alte linke Garde von Marx über Mao bis Che und so weiter? Der Wutbürger von S 21? Und was war die RAF, welcher Generation auch immer? Elfriede Jelinek hat sich mit Ulrike Maria Stuart dem tödlichen Zickenkrieg – pardon: Königinnendrama – an der weiblichen Doppelspitze, also dem privat-politischen Machtkampf von Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof verschrieben. Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer begab sich mit seinem Team in die "Textwüste" der Literaturnobelpreisträgerin – und herauskam eine so bilderstarke wie wortgewaltige Premiere im Essen Grillo-Theater, eben ungemein sehenswertes Theater.
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Transluzent & Punktgenau

Was ist deutsch? Und was nicht? Keine Fragen, die mich an sich bewegen. Da geht’s mir ähnlich wie Steff (Jannik Nowak) in Marianna Salzmanns Stück "Satt", das gestern in der Essener Casa seine zweite Premiere erlebte. 
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Spielraum für Einzeltäter

Raumbühne mit Rundumprojektion. Viereckig, quadratisch – logisch-mathematisch, wie man’s gern dem Latein unterstellt? Spielraum ist es allemal, was Andreas Jander, Jana Findeklee und Joki Tewes für die Spielzeiteröffnung im Essener Grillo-Theater mit der in den Saal gerückten Bühne erschaffen. Schade nur, dass was von zwei Seiten vom Publikum zu betrachten ist, so einseitig in seiner Interpretation bleibt: Wieviel auch geschrieen, getobt, gerannt und gebloggt wird, am Ende ist und bleibt Thomas Krupas Coriolanus (Tom Gerber) ein Kriegsheld, ein dünkelhafter Haudegen, dessen Stolz man auch Sturheit und Vorurteil nennen könnte – und die andern, die Masse, ob nun Plebejer oder Patrizier, Volsker oder Coriolanus‘ Familie bleiben die Dummen.
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Beklemmende Logik

Wenn Sie beim Krimi nur interessiert, wer’s war und bestenfalls noch auf die (Ermittlungs)Technik schauen, ist Der Kameramörder von Thomas Glavinic vermutlich nichts für sie. Aber wenn Sie von Kriminalliteratur mehr erwarten als spannende Unterhaltung und "er ist ein Soziopath/Psychopath/verrückt" nicht für eine sinnvolle Erklärung halten, sieht das schon anders aus. Meine Gedanken dazu sollten Sie allerdings nur lesen, wenn Sie die Frage nach dem Whodunnit garantiert nicht interessiert bzw. die Antwort nicht vom Roman abhält …
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Und ewig nervt der Präsens …

Wie ich es finden soll, dass für den Hans-Jörg-Martin-Preis 2012, in dessen Jury ich diesmal sitze, bislang noch nicht mal 20 Bücher eingereicht wurden, weiß ich nicht. Vielleicht kommt da noch mehr und dann sitze ich im Dezember da und kann nur noch lesen, lesen, lesen. Ich hoffe bloß, spätestens dann bleibe ich verschont von der grassierenden Unart, Romane sinnlos im Präsens zu schreiben …
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Balkon der toten Helden

Der Ritt der Walküre dürfte eines der meist (an)gespielten, manche sagen: abgenutztesten, Musikstücke der westlichen Welt sein. Doch auch allzu bekanntes kann man aus neuer Perspektive hören und sehen – wie ich letzte Woche im dritten Balkon des Aalto-Theaters in Essen zusammen mit einer handvoll toter Helden erlebte.
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Taschenspielertricks

Ich wollte es gar nicht glauben, als man mir erzählte, in der Essener Premiere von Corpus Delicti seien manche Zuschauer bereits in der Pause gegangen – aus Versehen, weil sie dachten, das Stück sei zuende, und nicht etwa aus Protest. Nun habe ich es endlich selbst gesehen und frage mich, ob das nicht das Beste ist, was man mit diesem Stück tun kann …
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Superheldenpanik

Also, Sie müssen jetzt wirklich nicht panisch zur nächsten Vorverkaufsstelle rasen, um sich superheldenhaft Tickets für Angstmän, das panische Kammerspiel für alle ab 8, zu besorgen. Diese Spielzeit wird das eh nichts mehr. Aber Sie sollten dringend drauf drängen, dass eine Warteliste für die Wiederaufnahmen in der nächsten Spielzeit eingeführt wird: Das Stück ist nämlich superheldenkomisch und panikstark. Bloß leider hat die Essener Box nur 61 Plätze, von denen aus man Angstmän (Jannik Nowak) und Pöbleman (Stefan Diekmann) zusehen kann, wie sie die Wohnung von  Jennifer (Laura Kiehne) und ihrer mal wieder nächtlich arbeitenden Mutter verwüsten …
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ImmerHin

Immerhin – Warum nich? sticht aus der Fülle der derzeit am Essener Grillo gebotenen Liederabende gleich zweifach hervor: Er wird dort gespielt, wo so ein Liederabend hingehört – im Cafe Central, also ganz nah am Publikum. Und er funktioniert musikalisch wie auch in jeder anderen Hinsicht. Jannik Nowaks "Tribut an Bodo Wartke" kann man also nur empfehlen: Immer hin!
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Kraftvolles Spiel

Nein, ich meine nicht Nationalelf der Deutschen Damen, obwohl das generell sicher auch auf sie zu trifft. Während diese sich am Donnerstag gegen die Nigerianerinnen durchsetzten, war ich mal wieder im Ballett. Ptah II ist ein Abend gestaltet von jungen Choreographen, an dem nicht nur der Ort – im Essener Schauspiel, dem Grillo-Theater, vermuten die ansonsten das Aalto gewohnten Ballettfans keinen Tanz – sondern vor allem die Frische und Kraft der (allermeisten) Choreografien und Tänzer.
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