Ent-Täuschungen

Erstens kommt es anders … ich dachte noch, nach der so schwach besuchten Vernissage von "Engel und andere schräge Vögel" könnte es nur noch besser werden. Falsch gedacht: Bei der heutigen Finissage waren wir gerade mal zu viert. Ich hab aber keine Lust, mich enttäuscht meinem Frust hinzugeben. Statt dessen schreib ich lieber über zwei mehr oder weniger wunderbare Beispiele von Ent-Täuschungs-Literatur: The Writing Class von Jincy Willett und Nach Mitternacht von Irmgard Keun.
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Schade drum

"Die Büchse der Pandora" – so treffend nannte GW Pabst 1929 seine Verfilmung von Frank Wedekinds Theaterstück "Lulu – eine Monstretragödie". Während der Film GW Pabsts Ruf als psychologischer Regisseur begründete, fiel Wedekinds Stück immer mal wieder der Zensur zum Opfer. Zu skandalös war sein "ewiges Weib", soviel Sexualität auf der Bühne duldete das 19. Jahrhundet nicht. Shirin Khodadians Inszenierung des Stücks in Essen jedoch, die gestern abend Premiere hatte, blieb vor allem eine blutarme Zirkusnummernshow ohne roten Faden.
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Ruhm

Merkwürdiger Titel – Ruhm. Und dann noch der Untertitel – "ein roman in neun geschichten". Ob ein weniger preisgekrönter, weniger gelobter Schriftsteller als Daniel Kehlmann damit durchgekommen, ja, nur bei einem Verlag angenommen worden wäre? Wer weiß das schon … und das wiederum passt zum Grundmotiv des Geschichten-statt-Kapitel-Romans, der an den Spruch erinnert, dass Wirklichkeit und Fiktion zwei Kannibalen sind, die auf einer einsamen Insel notgelandet sind ….
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Ladylike

Manche Bücher sind entzückend altmodisch, zauberhaft in ihrer Zeit verhaftet und deshalb hübsch zu lesen. Auf Elisabeth von Arnims "Verzauberter April" trifft all dies zu und dennoch ist es kein wirklich nostalgisches Buch.
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Nostalgisch morden?

"Lasst dicke Bücher um mich sein" – zumindest auf Reisen. Am Wochenende zwischen Saunagängen und Bahnhöfen war’s Andrew Taylors "Im Zeichen des Raben": Sehr britisch forscht ein Mann einem unklaren Todesfall seiner Jugendzeit nach …
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XXIX

Programm XXIX – No. 29 von 30, also Schläpfers vorletzte Arbeit in und für Mainz hab ich am Wochenende als Höhepunkt eines wunderbaren Wellnesswochenendes (das war ein Weihnachtsgeschenk, auf das es sich zu warten lohnte) genossen. Allerdings: Der Abend der Extreme, den das Programmheft versprach, war es nicht.
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Für den Reißwolf …

… naja, okay, ganz so schlimm, dass ich mir gleich einen Reißwolf dafür anschaffe, ist Jack Kerleys Den Wölfen zum Fraß nicht. Als Reiselektüre, die man nach weiten Strecken des Querlesens im Zug ‚auswildert‘, ging’s schon durch. Mehr war’s aber beim besten Willen nicht.
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Aufgelesenes

Entweder hab ich keine Zeit, weil ich schreibe respektive unterrichte oder ich bin unterwegs und komme deshalb hier im Blogg zu nichts. Doch wo könnte man besser lesen als im Zug? Also gibt’s nun ein paar Gedanken zu drei Büchern: Peter Gerdes "Der siebte Schlüssel", Friedrich Dönhoffs "Savoy Blues" und Andrew Taylors "Die Pforten des Todes". 
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Bitter-süße Ehre?

Schön und schade: Heute flatterte mir ein Brief aus Koblenz in den Briefkasten. Ich hatte u.a. Stimmengewirr für den Koblenzer Literaturpreis 2009 eingereicht – genau, den Preis, den Jörg Matheis im Januar sicher verdient bekam. Dass ich jedoch zusammen mit 10 weiteren Autoren in der Endrunde war, erfuhr ich erst heute.
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Vereitelter Fluchtversuch

Ein dunkler Zuschauerraum, nicht ganz ausverkauft. Noch leerer ist die Tanzfläche auf der Bühne, die Party dort kommt trotz wummernder Bässe nicht in Gang. Im Dunkel vor mir erhebt sich ein älterer Herr, schleicht zur Tür – und stellt fest, leicht und lautlos kann er sie nicht öffnen. Und bevor er die anderen stört, schlurft er lieber zurück zu seinem Platz. Knapp 2 Stunden hat er da noch vor sich, denn so lange dauert Nuran Calis‘ Fassung von Krankheit der Jugend in Essen nun mal.
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