Nachdem nun auch der Nachbar seinen Rasenmäher abgestellt hat – irgendetwas scheint ihn geradezu dazu zu zwingen, spätestens alle 14 Tage montags den Rasen zu mähen, komme was wolle -, liegt wieder träge Sommerstille über unserem Viertel. Und das erinnert mich an ein Gedicht, das ich vor ein paar Jahren schrieb:

Sommerstille
Wenn’s überall summt und brummt
zirpt und flirrt und tanzt
bis gegen Mittag alles ächzt und verstummt
zu heiß die Sonne
steinhart die Erde
gelbbraun was grün sein sollte
Stille träge Stille
selbst die Tauben auf dem Platz beim Supermarkt
haben das Gurren Eilen Balzen Flattern
aufgegeben und hocken gedrängt
unter halbvertrockneten Stadtbäumen
Stille schwere Stille
kein Kreischen nicht mal mehr Planschen
dringt vom Kindergarten herüber
sogar die Autos die noch vereinzelt die Stille durchschneiden
klingen gedämpft fast unsicher als zweifelten sie
Stille bleierne Stille
bis die Schatten allmählich länger werden
die Schwalben hoch über den Dächern der Häuserblöcke jagen
sich höher und höher schrauben
wie die Pfiffe die ihr Gesang sind
um in der blauen Stunde -
wenn die Menschen in Gärten und auf Balkone zurückkehren
wasserversprühend oder vielleicht Bier trinkend -
als Fledermäuse wiederzukehren
lautlose Jäger die über Dachfirste stürzen
wendig und elegant
als gäbe es keine Schwerkraft
Es sei denn der Himmel öffnet seine Schleusen
ergießt sich sturzflutartig über die Welt
Felder und Wiesen versinken im Schlamm
Keller laufen voll und Flüsse über
Menschen wie Ameisen eilen umher
versuchen zu retten was zu retten ist
von ihren Lebenswerken
Die Welt wird grau und nass und stetig nasser
tagelang wochenlang endlos
so scheint es manchmal –
bis
es eines Morgens
wieder überall summt und brummt
zirpt und flirrt und tanzt
und alles aufatmet
sich der Sonne entgegen streckt
bis
nach einiger Zeit gegen Mittag
alles ächzt und verstummt
zu heiß die Sonne
steinhart die Erde
und alles Leben ---
(c) 2023/2026 M. Bach