Draußen ist es heiß, drinnen ist viel zu tun, und manches belastet, also hinke ich mal wieder hinterher, was hier im Blog nun wahrlich nichts Neues ist. Zwischendrin würde ich mich am allerliebsten ermattet auf ein Fauteuil, eine Chaiselongue oder eine Ottomane, meinetwegen auch auf einen Liegestuhl sinken lassen und vielleicht nicht gleich in Schönheit sterben (da gäb es eh ein gewisses Problem … ;-)), aber wenigstens schön schwitzen und sitzen. Und das alles nur, weil vorgestern dieses Werk meinen Kunsttageskalender zierte:

Von 1910 ist das Ölgemälde von Florine Stettheimer, anscheinend war es auch damals schon gelegentlich heiß. Genau wie in den 1950ern, was man ganz wunderbar etwa in Billy Wilders „Das verflixte siebte Jahr“ mit Marilyn Monroe sehen kann, bei dem es mich stets aufs Neue erstaunt, wie heiß und verschwitzt Schwarz-Weiß-Aufnahmen wirken können, die doch eher als kühl und elegant gelten.
Elegant sind sicher auch die fünf Damen der New Yorker Upper Class, die Stettheimer in ihrem Ölgemälde einfängt, das allerdings von heißen Gelb- und Rottönen dominiert wird. Statt mt Kaffee und Champagner Geburtstag zu feiern – die Torte steht noch nicht einmal angeschnitten im Bildvordergrund auf einem runden Tisch – sitzen, hängen, liegen, fläzen sie in Sesseln und auf Liegestühlen herum und nur die ältere Dame in schwarz, die in der Tiefe des Bildes eingerahmt von zwei kümmerlich-verkümmerten Weidenbäumen trohnt, hält sich noch aufrecht.
Wie es wohl war, um die letzte Jahrundertwende in New York gelebt zu haben, mitten im Geldadel. Unbekümmert stelle ich es mir vor, denn noch ahnen sie nichts von den Weltkriegen, die ihnen bevorstehen. Noch ist die Hitze das einzige, was sie vom Feiern abhält.
Und wir heute? Was werden Menschen wohl über uns denken, in 100 oder mehr Jahren und werden wir auf sie einen ähnlich verlockenden Eindruck machen wie Stettheimers Figuren auf uns – oder zumindest auf mich – heute?
Wie ärgerlich, dass ich zu viel zu tun habe, um endlich mal wieder mein Malzeug auszugraben, und es viel zu heiß scheint, um Acrylfarben aus Pigmenten auch nur anzurühren …