Ausgelesen: „milk and honey“

Ich weiß nicht, ob ich von Rupi Kaur schon etwas gehört hatte, bevor mir eine Freundin ihr Printdebüt „milk and honey“ schenkte. Da ich nicht auf Instagram bin, bleiben fast alle „Instaphänomene“ unterhalb meiner Wahrnehmungsschwelle und das ist auch gut so. Bei diesem Buch hätte ich allerdings möglicherweise etwas verpasst.

Auf dem schwarzen Cover von Rupi Kaurs "Milk und Honey", das auf einem hellen Holztisch liegt, steht oben der Buchtitel und darunter etwas kleiner der Name der Autorin. Zwei ebenfalls in weiß gezeichnete Bienen krabbeln Richtung Schrift - die eine aus der unteren linken Ecke, die andere weitere oben rechts. Ganz unten am Rand steht in dunkelgelber Schrift #1 New York Times Beststeller

Ich bin mir bei vielen der Texte und Textschnipsel, die Kaur in die Kapitel the hurting, the loving, the breaking und the healing unterteilt hat, alles andere als sicher, ob sie sich wie Lyrik lesen oder nicht Kurznachrichten an sich selbst und andere darstellen. Vieles erinnert mich eher an aufmunternde oder clevere Weisheitssprüche, wie man sie außerhalb von Social Media manchmal auf Kalendern findet. Ein Beispiel dafür sind diese Zeilen auf S. 192:

for you to see beauty here
does not mean
there is beauty in me
it means there is beauty rooted
so deep within you
you see it everywhere

Ist das nun ein poetischer Gedanke leicht verschleudert in postkartentauglicher Sprache oder im Gegenteil wirksam in einfache Sprache gekleidet, sodass damit Menschen erreicht werden, die nicht auf die Idee kämen, Lyrik als solche lesen zu wollen?

Während ich mir solche und andere Fragen beim Lesen stellte, war eines jedoch stets mehr als einen Blick wert: Die Zeichnungen von rupi kaur mögen simpel anmuten, doch sie bringen die Dingeauf den Punkt und weiten den Blick:

Das Buch ist so aufgeschlagen, dass der Blick auf die hell erleuchtete rechte Seite (S. 153) fällt. Sie zeigt die Zeichnung einer Frau, die im Boden wurzelt wie ein Baum und deren nach oben ausgestreckte Arme zu Ästen werden. Darunter steht: loneliness is a sign you are in desperate need of yourself

Solo würde ich ihre Texte nicht unbedingt lesen wollen oder gar müssen. Aber ihre Zeichnungen sind anschauenswert, sie möchte ich nicht missen.

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