Dennoch Frühling

Dieser Tage fällt es mir oft schwer, Worte zu finden für das, was ich denke und fühle. Zu viel Geschrei und Krieg, zu viel Hass und Hetze, mittendrin meine Mutter, die die Sprache und sich selbst immer mehr verliert, das macht es schwer, die eigene innere Stimme zu hören. Und was hat dieses zarte Etwas schon zu sagen angesichts all dessen, was um uns herum passiert? Vielleicht so etwas wie dieses Gedicht, dass ich vor gut vier Jahren, kurz nach dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine schrieb:

Der Blick geht einen mächtigen Baumstamm hinauf in den strahlend blauen Himmel. An den noch kahlen Ästen zeichnen sich zarte rötliche Blüten ab.
Es gibt Tage, da wünschte ich, ich wäre unerschütterlich und stets dem Himmel zugewandt wie ein Baum.
Dennoch Frühling

Und dennoch kehrt das Leben zurück
schiebt sich sprossend aus der Erde
unbeeindruckt von Pflastersteinen
erfüllt die Luft mit Gesumm und Gesang
über Ruinen wie Gärten
Frühling verdrängt den Winter
ob wir nun da sind oder nicht
das Leben erneuert sich
wieder und wieder
und –-

Dieser Beitrag wurde unter Wörtersalat abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert