Winterliebe(n)

Jetzt aber mal ran – sonst ist die kalte Jahreszeit vorbei oder wird regional unterschiedlich von der fünften überrollt, und ich habe immer noch nicht über Winter Wunder Licherfeste und Lunas große Liebe geschrieben, sodass ich auf den nächsten Winter warten muss. Wobei die Sache mit dem Warten nicht direkt auf den Winter, sondern auf Sinterklaas, wie Nikolaus in den Niederlanden heißt, die spielt eine ziemlich große Rolle in meiner Geschichte …



Das Cover ist dunkelblau. Die "i" in "Winter Wunder Lichterfeste" sind rote Kerzen mit gelben Flammen. Eissterne prangen. Unter dem Titel ist eine stilisierte, hellblaue Schneekugel mit Blumen zu sehen. Im roten Fuß der Schneekugel steht "Kurzgeschichten", um die Kugel herum ist in Schreibschrift zu lesen "Literarische Schlittenfahrt von Island bis zu den Osterinseln". "Brigitte Pons & Wichtel" ist die Autorenangabe über dem Titel
Bis zu diesem Buch wusste ich gar nicht, dass auch ich ein Wichtel bin … 😉

Lunas große Liebe

All die Menschen am Kai, große und kleine, manche verkleidet mit Bischofsmützen, andere mit bunten Baretten auf dem Kopf, die sangen und gespannt aufs Wasser geschaut hatten, eingehüllt von der Musik der Band und verbunden durch die gemeinsame Vorfreude, und sie auf den Schultern von ihrem Papa, gleichzeitig Teil der Menge und ihr doch ein Stück enthoben – war das der Moment, als es angefangen hatte? Es war jedenfalls das, woran sich Luna zuverlässig erinnerte, wenn sie an ihren ersten Intocht dachte.


Intocht, mögen Sie jetzt denken, was zum Teufel ist das? Das ist die Ankunft von Sinterklaas und die den Niederlanden, wo sie in jedem Jahr in einer anderen Stadt stattfindet, eine riesengroße Sache. Das wusste ich auch ewig nicht und fand genau das seltsam: Wie kann das sein, wo ich in NRW und damit ziemlich nah an unserem Nachbarland lebe? Ich wollte unbedingt mehr darüber wissen. Aber erstmal weiter in Lunas Geschichte, damit Sie auch eine Vorstellung davon kriegen, was Intocht ist:

Das war in Alkmaar gewesen, dort hatten sie an ihrem vierten Geburtstag Freunde der Familie besucht und sie hatte sich mit der gleichaltrigen Lieke angefreundet. Hieß es, denn für Luna war dieser Tag vor allem damit verbunden, in der Menge an der Kade zu stehen und auf Sinterklaas‘ Ankunft mit dem Stoomboot zu warten. Unter großem Jubel war es endlich aufgetaucht und hatte angelegt – von den Problemen auf der Reise, über die der Reporter vor Ort auf Niederländisch berichtete, verstand sie genauso wenig wie von der Begrüßungsrede des Bürgermeisters, dessen Amtskette in der Herbstsonne glitzerte, aber das machte nichts. Die Begeisterung der Menschen brauchte keine Worte, um sie mitzureißen und die farbenprächtige Parade, bei der Sinterklaas auf seinem Schimmel Amerigo durch die Stadt ritt, begleitet von fröhlichen Zwarten Pieten, die Peppernoten in die Menge warfen und im Vorbeigehen Kinder- und Erwachsenenhände schüttelten, machte auch so großen Eindruck auf sie. Sogar das Fernsehen war vor Ort und zeichnete die herrlichen Ereignisse auf!


Und das ist in unserem Nachbarland erst der Auftakt, denn zwischen Intocht Mitte November und dem Pakjesavond am 5. Dezember liegen rund drei Wochen, in denen sich fast alles um Sinterklaas, die Pieten und natürlich die Kinder dreht. Auch davon ahnte ich nichts, bevor ich mich mit dieser Geschichte beschäftigte, und erstmal stundenlang das Sinterklaas Journaal im Internet sah. Rein zu Recherchezwecken, natürlich. Selbst, wenn Sie kein Wort Niederländisch können, wird ein Blick hinein Ihnen schnell klarmachen, warum Luna vom deutschen Nikolaus enttäuscht war:

Ganz erfüllt war sie von all dem gewesen, hatte danach nächtelang geträumt von Sinterklaas und den Pieten, die ihr wie freundliche Clowns erschienen waren. Und dann kam gut drei Wochen später der Nikolaus in ihre Kindergartengruppe daheim im Ruhrgebiet. Er mochte einen ähnlichen Bart haben und auch einen schönen, roten Mantel tragen, dazu eine Bischofsmütze auf dem Kopf und einen goldenen Stab in der Hand, aber was war das für ein kümmerlicher Auftritt, ganz ohne Pferd, Boot oder Bürgermeister? Und als Begleitung hatte er bloß diesen blassen Kerl namens Knecht Ruprecht, der einen Sack schleppte, aus dem er irgendwelches Holzspielzeug zog.

Kein Wunder also, dass Luna sich in Sinterklaas und die Pieten regelrecht verliebt. Allerdings ist das ja immer so eine Sache mit der ersten großen Liebe und dem Glauben daran. Wenn Sie wissen wollen, wie Lunas weitergeht und wie sie damit umgeht, wenn später alle um sie herum behaupten, den Nikolaus gäbe es genauso wenig wie den Osterhasen oder die Zahnfee, müssen Sie schon selbst nachlesen. Und wenn Sie schon mal dabei sind, können Sie in Winter Wunder Lichterfeste obendrein noch eine Reihe weiterer Wintertraditionen und -feste rund um den Globus entdecken.

Machen Sie aber bitte nicht mich verantwortlich, wenn Sie auf Ihrer literarischen Winterreise die Zeit vergessen oder gar nicht mehr aufhören können, immer noch eine weitere Folge des Sinterklaas Journaals zu schauen. Ich habe Sie gewarnt … Winterwunder können süchtig machen und dann ist plötzlich Frühling 😉

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