Tallinn in fünf Tagen und einem halben (4)

An unserem vierten Tag in Tallinn drehte sich alles ums Meer und die Seefahrt. Doch um raus nach Kalamaja zu kommen, wie der nördliche Stadtteil am Meer heißt, wo sich das estnische Meeresmuseum in einem historischen Wasserflugzeughangar befindet, muss man erstmal in den Bus steigen …

Auch, wenn ich vorher in Beschreibungen gelesen hatte, dass hier unter anderem ein komplettes U-Boot, nämlich die Lembit (siehe Bildmitte oben) ausgestellt ist, war mir nicht bewusst gewesen, wie groß der Hangar des historischen Wasserflughafens tatsächlich ist und welche Fülle von Objekten und Informationen uns hier erwartet.

Vom ersten Moment an war klar, um sich wirklich alles anzuschauen und alles auszuprobieren, würde man Tage brauchen. Wobei die drei Minuten, die ein Flug im Wasserflugzeugsimulator hier dauert, allemal ausreichen, um sich bewusst zu werden, leicht ist das nicht. Ich bin zwar immerhin nicht abgestürzt, habe aber keinen einzigen der „Ringe“, die meine Flugbahn vorzeichneten, getroffen. Dafür reagierte das Flugzeug für mich zu langsam und ungewohnt auf meine Steuerversuche. Spannend war es natürlich trotzdem – und macht neugierig auf mehr: Wie viele offizielle Wasserflughäfen gab es einst? Was ist von ihnen heute noch übrig? Darüber hatte ich mir bisher wenig Gedanken gemacht.

Dass ich die Lembit, das U-Boot aus dem Jahr 1937, aus allen Blickwinkeln betrachten würde, war mir jedoch von vornherein klar gewesen, so sehr wie U-Boote nun mal meinen Lebensmenschen faszinieren. Und solange ich mit den Dingern nicht abtauchen, gar für längere Zeit unter Wasser bleiben muss, finde ich solche Besuche durchaus auch interessant.

Der Wasserflugzeughangar mag riesig sein (und dazu noch ein Café mit einer kleinen, aber feinen Karte beherbergen), trotzdem passt nicht das ganze estnische Meeresmuseum in ihn hinein. Draußen am Kai liegen noch eine ganze Reihe Museumsschiffe, und einige davon besuchten wir – und hatten sogar Glück mit dem launischen Septemberwetter, wie die Außenaufnahmen beweisen:

Der ausgedehnte Gang auf und durch die Suur Tóll machte mir sehr deutlich, dieser Eisbrecher war nicht nur ein Schiff mit einer wichtigen Aufgabe, die nur erfüllt werden konnte, wenn viele Hände zusammenarbeiteten. Zugleich war sie Lebensraum, ja Lebensmittelpunkt der Crews, die hier viele Wochen, oft Monate miteinander verbrachten.

Die dicke Margarethe, ein sehr breiter mittelalterlicher Rundturm, leigt auf einem kleinen Hügel hinter einer Grünanlage und wird teils von Bäumen im Vorderund verdeckt. Hinter ihr erhebt sich der markante, ausgesprochen spitze Turm von St. Olaf.
Die dicke Margarethe am großen Strandtor, das verborgen hinter den Bäumen liegt.

Wir dagegen brachen am Nachmittag auf, um in die Stadt zurückzukehren, und das estnische Seefahrtsmuseum in der dicken Margarethe aufzusuchen – kein Witz, so heißt der im 16. Jahrhundert erbaute Wehrturm in der mittelalterlichen Stadtmauer wirklich. Das zentrale Stück dieses Museums ist der erstaunlich gut erhaltene Rumpf einer 700 Jahre alten Kogge. Hanse, Fischerei, moderner Seehandel, nahezu alle Aspekte der Seefahrt werden hier im Museum behandelt und auf dem Dach gibt es dazu noch eine Aussichtsplatform, die einen tollen Blick auf die Altstadt bietet.

Anschließend nahmen wir den Bus zurück ins Hotel, denn wohin die historischen Straßenbahnen fahren und ob wir sie mit unserer Tallinn Card hätten benutzen dürfen, war nicht herauszufinden. Schön anzusehen sind sie natürlich trotzdem.

Eine alte, blaue Straßenbahn saust vorbei. "Jüri" ist weiß auf blauem Grund auf ihrer Seite zu lesen. Hinter der Tram sieht man noch das Dach der dicken Margarthe und den Turm von St. Olaf

Und als wäre das nicht ohnehin schon ein Tag randvoll mit Eindrücken gewesen, führte unser Rückweg vom Abendessen in der Altstadt später rein zufällig durch den berühmten Katharinengang, eine der engsten Gassen Tallinns.

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