Ausgerechnet den letzten Tag unserer Reise als halben solchen zu bezeichnen, ist zugleich treffend wie vollkommen daneben. Einerseits verbrachten wir tatsächlich ziemlich genau einen halben Tag in Tallinn, andererseits war es später Abend, als wir endlich wieder zuhause waren. Aber der Reihe nach …

Der Tag begann wie jeder Tag in Estland mit einem wirklich guten Frühstück im Restaurant unseres Hotels. Danach packten wir in aller Ruhe, da unser Flug erst am frühen Nachmittag abheben sollte, und checkten schließlich aus, um zu einem letzten Gang in die Stadt aufzubrechen. Wir gingen den schon vertrauten Weg Richtung Altstadt, vorbei an einer großen Baustelle, vorbei am Einkaufs- und Bürozentrum, an Opern- und Konzerthaus sowie am Nationaltheater. Das Wetter war (mal wieder) mäßig bis wechselhaft, und so waren wir froh, trocken im Schokoladenmuseum angekommen zu sein.
Diese Schokoladenmanufaktur, die auf der Eingangsebene ihre Köstlichkeiten verkauft, bei deren Herstellung im „Glaskasten“ gleich hinter der Theke zuschauen kann, zeigt im Untergeschoss eine Ausstellung zur Geschichte der Schokolade. Leider hatten wir unsere Kameras schon verpackt und da man hier so manches probieren durfte, nahmen wir unsere Smartphones auch nicht zum Fotografieren in die Hand. Sonst hätte ich jetzt Schautafeln zeigen können mit verschiedenen Kakaopflanzen oder der überraschend aktuell wirkenden Geschichte der Schokoladenherstellung in Estland. Die wurde nämlich im 19. Jahrhundert ausgerechnet durch allerlei Zölle auf fertige Kakaoprodukte enorm angekurbelt …
Anschließend tranken wir noch eine köstliche heiße Schokolade und lauschten der Reiseleitung der amerikanischen Touristengruppe, die zeitgleich das Café des Museums füllte und alle Hände zu tun hatte, die unterschiedlichen Bedürfnisse der älteren Besucher (von laktosefreier Schokolade bis barrierefreiem Zugang zum Untergeschoss und den Toiletten dort) zu koordinieren.
Langsam schlenderten wir danach zurück zum Hotel, wo wir unser Gepäck zur Aufbewahrung gelassen hatten und baten darum, uns ein Taxi zum Flughafen zu rufen. Dort checkten wir ein, was trotz Sprachschwierigkeiten des Sicherheitsmenschen, der meinen Lebensmensch kontrollierte, und meinen Wanderschuhen, die ich jedes Mal an Flughäfen aus- und wieder anziehen darf, ziemlich schnell ging, denn viel los war hier nicht. Dafür entdeckten wir, dass an jedem Gate Sportgeräte standen – mal ein Ergometer, mal ein Laufband, dazwischen Trampoline für kleine Fluggäste und viele Tischtennisplatten. Einerseits überraschend, andererseits unmittelbar einleuchtend, so viel Zeit, wie man an „Flugtagen“ meist ungewollt im Sitzen verbringt …
Schade, dass es so etwas in Kopenhagen nicht gibt. Dort hatten wir geplant einen vierstündigen Aufenthalt (über den wir bei der Buchung zu wenig, während des Urlaubs und vor allem am Flughafen um so mehr nachdachten …) im ziemlich großen, ziemlich trubeligen Flughafen. Wir hatten also reichlich Zeit, uns über unsere eigene Unachtsamkeit bei der Buchung zu ärgern, die obendrein noch durch eine gewisse Verspätung unserer Maschine und die eher unkoordinierte Dame am Gate weiter in die Länge gezogen wurde.
Irgendwann saßen wir aber doch im Flieger, und unser Flugkapitän schaffte es sogar, den größten Teil der Verspätung wieder reinzuholen. Wie viel Glück wir tatsächlich mit unserem kaugummizähen Rückflugtag gehabt hatten, merkten wir ein paar Tage später, als plötzlich Drohnen über dem Flugfeld in Kopenhagen kreisten und die Menschen, die in „unserem“ Flieger saßen, zusammen mit Zigtausend anderen unfreiwillig die Nacht am Flughafen verbringen mussten …
So oder so kann ich nur sagen, Tallinn ist definitiv eine Reise wert. Wenn man sich von vornherein viel Zeit nimmt, womöglich sogar mit der Bahn oder mit Bahn und Fähren. Da sollten auch Drohnen entschieden weniger stören.