Sprache(n), Musik und Süßigkeiten, so könnte man vielleicht die zweite Runde beim Spoken Word am Wasserturm zusammenfassen. Diesmal mit dabei waren Vortragende aus dem Sprachcafé, das ebenfalls im Stadtteilladen im Südostviertel stattfindet, Michael Niemann, Florian Eichhorn, Sebastian Foik, das Krimi-Überfallkommando und Sebastian Kießler sowie Christina Czeschik alias Jo Koren und meine Wenigkeit als Moderatorinnen.

Es begann musikalisch, mit einem Stück auf der Setar (einem persischen Saiteninstrument) gespielt von Ramin, dessen leiser, aber eindringlicher Klang uns alle packte. Danach hörten wir ukrainische und arabische Gedichte samt deutschsprachigen Inhaltszusammenfassungen, vorgetragen von Alex, Roy und Khuloud, einer Frau aus dem Sprachcafé, die sich spontan meldete.
Michael Niemann hatte diesmal eine großartige, philosophisch-absurde Kurzgeschichte mit einem sehr langen Titel im Gepäck: „Eine kurze Geschichte mit ihrem Ende am Anfang und ihrem Anfang am Ende oder: Der Anfang vom Ende des gesunden Menschenverstandes„, die man, wie andere mit Sicherheit ebenso lesenswerte Stücke von ihm bei E-Stories nachlesen kann. Unbedingt empfehlenswert, nicht nur für Liebhaber von Geschichten, die Vergnügen und Knoten im Hirn machen! 😉
Florian Eichhorn, der ebenfalls im Januar beim ersten Spoken Word dabei gewesen war, las aus seinem Roman „Wege eines Narren„, einem Fantasyroman, der zugleich exotisch wie dystopisch und obendrein magisch auf mich wirkte – als werde man in eine fremde Welt gebeamt, die leider mit der unseren die verbreitete Verachtung von allem, was als anders empfunden wird, teilt. Spannend klang die Story aber allemal.
In der Pause gab es ein köstliches Süßigkeitenbüffet von Jouz und Louz, bei dem ich als Moderatorin und Mitlesende wirklich aufpassen musste, mich nicht versehentlich in einen Zuckerschock zu futtern (und das, wo ich sonst strikt erst nach solchen Veranstaltungen esse! ,-)). Außerdem hatte man Gelegenheit, in den mitgebrachten Büchern zu stöbern und sich Flyer von Jo Koren mitzunehmen, deren neuester Roman Androids, Dreaming nun auf ihrer Webseite für alle kostenlos zu lesen ist.
Nach der Pause trug Ramin ein Lied über einen besonderen Vogel vor, der nicht einfach nur ein Bote des Frühlings ist, sondern für das Ende von Dunkel und Unterdrückung steht. Das war die perfekte Überleitung zu S.D. Foik, denn in seinem Roman „Ära des Verrats“ spielt der Ausbruch der Maidan-Revolution im Jahr 2013 in der Ukraine die Hauptrolle. Die Hoffnung, die in diesen Ereignissen lag, berührte mich im Rückblick fast noch mehr als im Moment des Geschehens selbst, wo sowohl der leuchtende Erfolg der Maidan-Revolution als auch die russischen Annektionen und dem bis heute andauernden Krieg noch im Dunkel der Zukunft lagen.
Wie es sich für das Publikum anfühlte, danach das Krimi-Überfallkommando mit „Crime City Ruhr“ als szenischer Lesung zurück nach Essen und in ein komplett anderes Genre geschleudert zu werden, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es wie immer eine große Freude war, zusammen mit Arnd Federspiel und H.P. Karr (alias Reinhard Jahn) auf der Bühne zu stehen. 😉
Den Schlusspunkt der Veranstaltung setzte Sebastian Kießler, der diesmal Lyrik mitbrachte, die sich gewissermaßen tarnte – etwa als zuemlich witzige Online-Rezension eines Tages im ZOOM in Gelsenkirchen auf Google Maps. Mehr von ihm gibt’s u.a. hier.
Mehr zu hören beim Spoken Word am Wasserturm wird es Anfang Juni geben! 🙂