Wie kommt es, dass man immer wieder den eigenen Vorstellungen – aka Vorurteilen, also Annahmen über bis dato Ungekanntes oder Ungedachtes allein auf der Basis des bisher Gekannten und Gedachten – auf den Leim geht? Als ich heute den Monatskalender umblätterte, dachte ich erst ganz automatisch „Ah, eine Herbstidylle aus früherer, geruhsamerer Zeit –“

— bis ich genauer hinschaute, erst die Pflastersteine entdeckte, die zwischen und vor den Bäumen gestapelt sind, dann den Straßengraben davor, in dem ein Bauarbeiter kräftig werkelt. Von wegen gemütlich, was hier zu sehen ist, sind Straßenbauarbeiten in San Remy 1889, wie die Bildunterzeile meines Kalenders verrät.
Die Damen im Bild links mögen ihrem Alltag zu Fuß nachgehen, aber Lärm und Dreck der Straßenbaumaßnahme werden sie wohl mit demselben leicht genervten Fatalismus – „was willste machen? Muss ja irgendwann sein“ – wie wir heute zwangsläufig zur Kenntnis genommen haben.
Nur das Kalenderschaf schaut einfach und schweigt weise.
Habt alle einen möglichst schönen Herbst! 🙂